
Ich kann grad noch nicht schlafen. So was kommt bei mir durchaus öfter vor.
Ich hab mal die ersten zwei Sätze des vorigen Textes kopiert. Bewährten Konzepten muss man ja nicht abschwören.
Ich frage mich gerade, wieso eigentlich jemand das Durchschreiten einer Talsohle als perfekte Metapher auf die Überwindung emotional anstrengender Situationen angesehen hat. Irgendwie ist es doch eher andersrum, oder? Zumindest fühle ich mich gerade so.
Mir geht es besser als letzte Nacht. Ich hab den Berg erklommen und stand für ein paar Minuten oben und habe durchgeatmet. Aber die eigentliche Erholung erwartet mich erst im Tal.
Und der Weg nach unten hat die Angewohnheit, weit unangenehmer zu sein als der nach oben. Erst danach tut dir jeder Muskel weh. Erst danach wollen die Gelenke nicht mehr. Erst danach ist die Erschöpfung maximal. Und umso mehr, wenn du den Berg schneller runtergehen willst, als Vernunft, Energie und Emotion eigentlich erlauben. Wer glaubt, dass er es nach der Ankunft im Tal geschafft hat, hat die zwei, drei Tage danach noch nicht erlebt. Oder ist eine verdammte Maschine.
Ich bin keine verdammte Maschine.
Auf meinem Spaziergang (ich habe dem Begriff Discount-Joggen hiermit offiziell abgeschworen) gestern Abend habe ich einen Ort gefunden, dem ich im wahrsten Sinne des Wortes noch nie über den Weg gelaufen bin. Mitten in München, direkt neben dem Englischen Garten, steht ein Stück der Berliner Mauer. 1961.
Es ist das finale Mahnmal dafür, dass sich diese Dinge nicht von heute auf morgen einreißen lassen. Dass es halt nicht damit getan ist, wenn man am Gipfel angekommen ist. Dass das Tal halt noch nicht erreicht ist. Und dass die zwei bis drei Tage immensester Muskelkater halt nicht einfach mal so wegignoriert, überlebt, überstanden werden können. Es schmerzt halt so lange, wie es eben schmerzt.
Irgendwie steht die Mauer ja immer noch. Ich darf mir also durchaus gerne mehr Zeit als eine Nacht geben. Irgendwann dreht sich die Erde weiter. Ich bin dann noch da. Und werde vielleicht etwas langsamer gen Tal gehen und mich ein bisschen schneller von der Tatsache erholen, dass sich auf dem Weg nach unten jeder einzelne Muskel erst einmal überspannt.
Wie jede Mauer ist der Weg ins Tal und der Schmerz danach am Ende halt eben doch nur ein Mahnmal.
Song for the Night:
Maeckes – Kreuz