
Ich kann grad noch nicht schlafen. So was kommt bei mir durchaus öfter vor. Unter der Woche ist das aber in der Regel einfach blöd, weil ich von morgens bis abends funktionieren sollte, um alles zu schaffen, was allein beruflich bei mir so auf dem Tisch liegt. Und dann hätte ich ja auch gerne noch so etwas wie Restenergie, um mein eigentliches Leben irgendwie auch noch mit einer gewissen Bedeutung und Leidenschaft füllen zu können.
Vielleicht hilft ja der Text beim Ruhe finden. Ich hätte nämlich echt Lust, fit und guten Mutes morgen auf der Matte stehen zu können.
Mit meinem Kopf pflege ich so eine echte Hassliebe. Ich mag es, dass der immer neugierig ist. Dass er immer mehr wissen und verstehen möchte. Dass er super viel abrufen kann und ich nicht dafür kämpfen muss, das zu können. Mein Kopf möchte einfach. Und ich biete mich da im Zweifel einfach als Vehikel an. Gott bewahre, was passieren würde, wenn ich mich gegen meinen Kopf stellen würde.
Mein Kopf hat da glaub ich seinen eigenen Kopf. Und ich möchte ungern rausfinden, wie das so wäre, auf Konfrontationskurs zu gehen.
Ich mag es nicht, dass er Sekunden nach einer für mich wichtigen Situation direkt die Rewind-Taste drückt und mir 15 (nur marginal übertrieben) Szenarien liefern will, wie ich das besser hätte handlen können. Wie er mir einredet, dass ich jetzt etwas kaputt gemacht habe. Wie er sich irgendwie auch über mich lustig macht, dass mir diese ganzen coolen Szenarien nicht eingefallen sind, bevor ich es anders gemacht habe. Und mir dann auch noch hämisch Vorschläge macht, wie ich das jetzt wieder hinbiegen kann. Obwohl es vielleicht gar nichts hinzubiegen gibt und irgendwie doch alles okay ist.
Ich mag es nicht, dass mein Kopf das nicht nur in neuen Situationen mit mir machen kann. Ich mag es nicht, dass er mir Vorhaltungen zu Dingen macht, die vor Jahren passiert sind. Die sich dann immer noch in meinem Kopf abspielen, als wäre es gerade eben erst gewesen. Ich mag es nicht, dass mein Kopf mir dann die Frage stellt, warum ich mich, damals, nicht einfach mal anders, richtiger, verhalten habe. Und nicht wie der letzte Depp.
Ich mag es nicht, wenn mein Kopf mich wach hält.
Vielleicht sollte ich doch mal auf Konfrontationskurs gehen. Irgendwie nimmt er sich ein bisschen arg viel raus. Meinen Freunden würde ich das nicht durchgehen lassen. Meiner Familie auch nicht. Warum dann ihm?
P.S. Falls mein Kopf grad zuhört und sich da einbringen möchte: Ich sollte das Fotografieren wieder anfangen. Zu viele Bilder, die einer Erinnerung erst die Farbe und das Licht geben, sind verblasst. Es wird Zeit für neue Bilder. Hilf mir mal dabei, bitte.
Music for the night:
- Fleet Foxes – Sun Giant EP
- Bon Iver – For Emma, Forever Ago
- The Notwist – Neon Golden