Es ist schon November. Eigentlich fast schon Mitte November, wenn man das Ganze noch ein wenig anders betrachtet.
Das ist krass. In einem Jahr, das irgendwie zu großen Teilen aus nichts passiert und nichts entwickelt sich zu bestehen schien, ist das krass.
Gegen Ende des Jahres neige ich gerne dazu, noch nachdenklicher zu werden als normal schon. Es stellen sich eigentlich immer die gleichen Fragen: Wo stehe ich, was ist passiert mit mir und um mich herum. Bin ich ok damit, wie es gerade ist und was die nächsten Monate bringen könnten.
Im Licht der letzten Glühbirne im Wohnzimmer hängen meine Antworten immer stark davon ab, wie es mir unmittelbar geht. Immer so gewesen, wird wahrscheinlich auch immer so bleiben.
Ist das letzte Licht kühl und abweisend, frage ich mich, warum ich eigentlich stehengeblieben bin. Wenn von all den großen, hochtrabend-arroganten, so ausgeprägten nicht-ich Wünschen und Vorstellungen so wenig gewachsen ist. Wenn auf dem Papier alles noch immer so ist wie in ebendiesem November vor einem Jahr. Wenn ich wieder keinen Teil dazu beigetragen habe, alles irgendwie besser zu machen. Was auch immer alles sein soll. Oder was auch immer besser denn bitte sein soll.
Was man nicht klar definieren und einordnen kann, kann man viel leichter schlecht finden und sich emotional darin fangen. Weniger definiert als „alles“ und „besser“ geht eigentlich kaum. Schöner Winkelzug einer manchmal auf ich-zieh-mich-am-liebsten-selbst-runter gepolten Psyche.
Ich habe in den letzten Tagen seit langer Zeit mal wieder echte Begeisterung für ein Thema gespürt. Schräg, was Trump mit einem anstellen kann. Ich habe Nächte durchgemacht und durchgedacht, weil ich es wollte – nicht, weil ich einfach den nächsten Tag durch Nichtschlafen herauszögern wollte.
Ich öffne mich langsam wieder. Ich fühle mich bereit, mir wenn alles schief geht wieder wehtun zu lassen und mauere nicht schon die vage Idee dessen einfach Weg. Ich schreibe. Und ich höre wieder bewusster. All diese Schwermut hebt mich wieder hoch statt einfach nur meine Suhle zu sein.
Das Licht der letzten Glühbirne ist warm. Die Wände sind warm. Das Leben ist warm.
Welt, du hast gerade einen kleinen Becher gutes Gefühl für mich? Danke, nehm ich. Keep ‚em coming.
Song for the night:
Adrianne Lenker – My Angel