
Sehnsuchtsort ist so ein Begriff, den glaube ich jeder kennt – und den auch jeder für sich besetzt. Auf seine Art und Weise. Dieser Flecken Erde, an den man immer zurückkommen möchte, der dieses Ideal von Wärme, Geborgenheit und dieser inneren Selbstverständlichkeit verkörpert, die die Frage nach dem „warum eigentlich hier?“ zu einer vernachlässigenswerten Randnotiz verkommen lässt.
Ich bin im Glück. Ich kann meinen Sehnsuchtsort wirklich sehen, eigentlich wann immer und so oft ich will. Es sind halt ein paar Stunden Autofahrt.
Solche langen Autofahrten entwickeln immer ihre ganz eigene Dynamik. Vor allem, wenn ich sie alleine bestreite. Im besten Fall steigert sie die Vorfreude. Untermalt, betont, verstärkt durch das was man sieht und das was man hört all das, was kommen wird.
Im Normalfall ist sie notwendiges Übel, um anzukommen. Garniert mit grandioser Musik, klar.
Im aktuellen Fall ist sie harte Arbeit. Gefangen im eigenen Kopf, übernächtigt und auf eine Art und Weise unter Stress gesetzt, die echt unangenehm illustriert, dass ich mir nicht zu viele Unkonzentriertheiten erlauben sollte. Während der einzige Wunsch eigentlich ist, sich nicht zu konzentrieren. Sich nicht mit sich auseinanderzusetzen. Und sich nicht all dem auszuliefern, was besser in den Sehnsuchtsort statt auf den Weg dorthin mit sich ausdiskutiert wird – oder werden muss.
Irgendwann kommt sie zum Glück doch. Die Straße ohne Namen. Einen besseren Begriff als das Navi habe ich mir selbst für meinen Platz in meinem Nirgendwo nicht ausdenken können.
Der Schotter knarzt unter den Reifen, am Steilhang checke ich zweimal, ob die Handbremse anzogen ist. Und frage mich genau deswegen jetzt gerade wieder, ob ich sie auch wirklich angezogen habe. Danke für nichts, Psyche.
Die 100 Treppenstufen nach unten und nach oben nehme ich aber safe nicht noch mal heute. Schüttet ja auch wie aus Gießkannen gerade.
Außerdem habe ich die Straße ohne Namen verlassen. Und bin schon längst an meinem Ort voller Bedeutung angekommen. Aus Sehnsucht wird endlich wieder Gefühl. Es ist lausig kalt. Und doch fühle ich genau diese nötige Wärme, die mir die Münchner Septembersonne gerade nicht mehr geben kann.
Today’s music for the road:
- Ride – Nowhere
- Typhoon – Offering
- Chromatics – Night Drive